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Über Diaspora, Neros Kunst und Anthocyane

Lions-Club Altötting-Burghausen vergibt Seminararbeitspreis 2026 an Schülerinnen aus dem Landkreis – Thematische Vielfalt

Mit Pokal, Urkunde und Preisgeld: Dr. Dieter Gilles, Helmut Radecker, Rudolf Schramm und Landrat Tobias Windhorst gratulierten am Festabend fünf jungen außergewöhnlich talentierten und zielstrebigen Abiturientinnen zu ihren W-Seminararbeiten.

Mit Pokal, Urkunde und Preisgeld: Dr. Dieter Gilles, Helmut Radecker, Rudolf Schramm und Landrat Tobias Windhorst gratulierten am Festabend fünf jungen außergewöhnlich talentierten und zielstrebigen Abiturientinnen zu ihren W-Seminararbeiten. – Foto: Sammet

Die Hitler-Tagebücher, Kaiser Nero, Suche nach Identität, KI als künstlerisches Werkzeug, Anthocyane: Am Montagabend haben fünf Abiturientinnen aus dem Landkreis Altötting über ihre Seminararbeiten referiert. Die etwa 80 Gäste der Veranstaltung des Lions-Club Altötting-Burghausen im Aventinus-Gymnasium (AVG) in Burghausen lauschten interessiert.

Zum 18. Mal richtete der Lions-Club den Festakt aus, bei dem er die besten Seminararbeiten eines Abiturjahrgangs im Landkreis auszeichnete. Die Arbeiten entstanden im Rahmen des wissenschaftspropädeutischen Seminars (W-Seminar), das jeder Schüler in Bayern für sein Abitur besuchen muss. In der Q12 und zu Beginn der Q13 beschäftigen sich die Schüler intensiv mit einem selbst gewählten Thema. AVG-Schulleiter Ulrich Kanz und Helmut Radecker, Präsident des Lions-Clubs, sprachen einleitend über die Tiefe der Arbeiten. Danach stellten die fünf jungen Verfasserinnen ihre Arbeiten vor. Dabei wurde deutlich, warum der Lions-Club diese Leistungen sichtbar machen wollte.

Rudolf Schramm, Moderator und Organisator des Seminararbeitspreises, bat zunächst Eva Kagerer auf die Bühne. Die Arbeit der Schülerin des Maria-Ward-Gymnasiums Altötting drehte sich um die gefälschten Hitler-Tagebücher. Eva Kagerer zeigte den Skandal auf, den der „Stern“ 1983 mit der Veröffentlichung auslöste, und arbeitete den damaligen Umgang mit der Person Adolf Hitler auf. „Manche betrachteten Hitler und sie NS-Zeit nüchtern, andere fasziniert“, schilderte die Schülerin. Die Voraussetzungen, die damals herrschten, hätten den Skandal begünstigt. „In den 80er Jahren gab es in Deutschland eine große Unsicherheit rund um die Bewältigung der Vergangenheit.“ Eva Kagerers Bilanz: Ob Historiker oder Journalist – akribisches Hinterfragen sei immer ein Muss und Medienkompetenz absolut unverzichtbar.

Auf erfrischende Weise trug Rezarta Demhasaj ihre Arbeit „Zwischen zwei Welten – Diaspora und die Suche nach Identität als existenzielle Herausforderung“ vor. Obwohl ihr Vortrag nur per Video gezeigt wurde, war das Publikum vom Thema gefesselt. Die Absolventin der Beruflichen Oberschule Inn-Salzach stammt aus einer Familie mit russischen und kosovo-albanischen Wurzeln. Rezarta Demhasaj suchte Antworten auf die Fragen: „Wo komme ich her? Wer bin ich?“.

Dafür führte sie eine Umfrage durch und ließ Teilnehmer beschreiben, wie herausfordernd das Finden der Identität in der Diaspora sein kann. Einige von ihnen setzten mit ihren Aussagen vor der Kamera klare Akzente. „Das Thema brennt“, kommentierte Rezarta Demhasaj. Sie brachte das Wort Hybridität ins Spiel – eine eigene dritte Kultur. Dann schloss sie: „Es ist ok, mehrere Orte als Heimat zu haben.“

Lena Hauler, Abiturientin am Kurfürst-Maximilian-Gymnasium Burghausen, führte die Besucher in die Welt der KI ein. Für ihre Arbeit „Künstliche Kreativität? Eine filmische Auseinandersetzung mit KI als künstlerischem Werkzeug“ hatte sie einen Kurzfilm mit KI erstellt. Ihr Referat über die Rolle des Künstlers und den Prozess bis zum fertigen Produkt untermalte sie anschaulich. Sie bilanzierte: „Die Arbeit mit KI schult die Strapazierfähigkeit des Künstlers, aber sie empfiehlt sich trotzdem.“

Weit in die Vergangenheit entführte Isabella Häringer die Zuhörer. Die Abiturientin vom König-Karlmann-Gymnasium Altötting stellte in ihrer Arbeit „Kaiser Nero – ein Leben zwischen Künstlerdrang und Herrscherpflicht“ neue Erkenntnisse über den römischen Herrscher vor. „Ich habe mich auf Quellen heutiger Forschung gestützt.“ Demnach war Nero nicht nur ein tyrannischer Herrscher, sondern auch ein Mann mit künstlerischen Ambitionen.

Ein weiterer Höhepunkt war die Präsentation von Anna Trieflinger. Die Absolventin des AVG hatte mit der Seminararbeit „Die schwarze Johannisbeere (Ribes nigrum) und die Anthocyane“ nicht nur beim Lions-Club Aufmerksamkeit erregt. Mit ihrem Projekt gewann sie den Regionalwettbewerb „Jugend forscht 2026“ und erhielt beim Landeswettbewerb zwei Sonderpreise.

Die junge Frau wies durch Verfahren Anthocyane in der schwarzen Johannisbeere nach. Die wasserlöslichen Pflanzenfarbstoffe verleihen Früchten, Blüten und Gemüse ihre roten, violetten oder blauen Farben. „Anthocyane schützen zudem vor vielen Krankheiten und verlangsamen den Alterungsprozess“, führte sie aus.

Eingeleitet wurden die Vorträge der Preisträgerinnen jeweils von den Lehrern, die sie in der Entstehungsphase der Seminararbeit betreut haben. Nach ihren Präsentationen überreichte Dieter Gilles, Vorsitzender Hilfswerk Lions-Club Altötting-Burghausen, den Schülerinnen jeweils den Preis: eine Urkunde, einen Glaspokal und 750 Euro. Die Pokale hat der Landkreis Altötting gestiftet, an diesem Abend vertreten durch Landrat Tobias Windhorst. Thore Meier, Konstantin Michaelis sowie Alessia und Elena Conrad, alle Schüler des AVGs, gaben dem Abend mit ihren musikalischen Darbietungen den Rahmen.

Quelle: ANA vom 26.06.2026

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